Magen-Darm-Beschwerden ganzheitlich verstehen

News vom


Körper oder Psyche? Gerade bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom greift diese Trennung häufig zu kurz. In der aktuellen Deutschlandfunk-Sprechstunde "Ohne Befund und doch krank: Psychosomatische Medizin" erklärt Prof. Andreas Stengel, wie körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenspielen, warum psychosomatische Beschwerden keineswegs „eingebildet“ sind und weshalb es sinnvoll sein kann, die psychosomatische Perspektive frühzeitig in Diagnostik und Behandlung einzubeziehen.

Bauchschmerzen, Krämpfe oder Veränderungen des Stuhlgangs können erheblich belasten – auch wenn Untersuchungen keine organische Ursache ergeben, die das Ausmaß der Beschwerden ausreichend erklärt. Für Betroffene ist diese Situation häufig schwer auszuhalten. Die Beschwerden sind real, eine eindeutige körperliche Erklärung fehlt jedoch.

Genau hier kann die Psychosomatik den Blick erweitern. Denn körperliche und psychische Prozesse lassen sich nicht immer klar voneinander trennen. Das sogenannte biopsychosoziale Krankheitsmodell berücksichtigt deshalb biologische Faktoren ebenso wie psychische Belastungen, frühere Erfahrungen und das soziale Umfeld.

Was das für die Diagnostik und Behandlung bedeutet, erläutert Prof. Andreas Stengel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Stuttgart, in der aktuellen Ausgabe der Deutschlandfunk-Sprechstunde. Gerade bei anhaltenden Beschwerden plädiert er dafür, nicht ausschließlich nach immer neuen organischen Erklärungen zu suchen, sondern psychosoziale Faktoren frühzeitig mitzudenken. Das bedeutet ausdrücklich nicht, auf eine sorgfältige körperliche Diagnostik zu verzichten. Vielmehr geht es darum, beide Perspektiven zusammenzuführen und nach erfolgter Abklärung den Weg von der Diagnostik hin zu einer passenden Therapie zu finden.

Auch beim Reizdarmsyndrom spielen die Wechselwirkungen zwischen Darm, Nervensystem und Psyche eine wichtige Rolle. Für MAGDA ist die psychosomatische Perspektive deshalb ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Verständnisses und der Behandlung funktioneller Magen-Darm-Erkrankungen.