Fragen und Antworten aus der Zoom-Veranstaltung „Das Reizdarmsyndrom verstehen und behandeln"

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Während unserer Online-Informations­veranstaltung zu Ernährung & Diagnostik beim Reizdarmsyndrom am 18.11.2025 wurden viele Fragen von Teilnehmer:innen gestellt. Hier geben wir die Fragen und die Antworten der Expertinnen wieder:

Woran erkennt man, dass es anstatt Reizdarm doch Endometriose ist? Gerade bei einem Hauptsymptom (schmerzhafter/starker) Blähbauch.
Hier braucht es eine gynäkologische Vorstellung. Die Kolleg:innen erheben die genaue Anamnese, die Bildgebung durch Ultraschall ist begrenzt, im Zweifel kann bei hoher Wahrscheinlichkeit eine Bauchspiegelung Klärung bringen.

Müssen die Schmerzen bei Endometriose dauerhaft sein oder an die Menstruation gekoppelt?
Bei einem typischen Verlauf sind sie an die Menstruation gekoppelt, dies muss jedoch nicht der Fall sein. Auch hier ist eine gynäkologische Vorstellung empfehlenswert. Falls noch nicht geschehen, kann eine ergänzende ernährungstherapeutische Abklärung erfolgen zu einer begleiteten FODMAP-Diät und auch Diagnostik (mittels Atemtest) von möglichen Unverträglichkeiten (Fruktosemalabsorption, Laktoseintoleranz, Sorbitintoleranz) und SIBO (bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms).

Führen Sie auch MCAS Diagnostik als Differenzialdiagnostik zum RDS und CED durch?
Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein führen wir die Tryptase-Bestimmung und Gewebeprobe aus dem Magen-Darm-Trakt durch, die Spezialdiagnostik und Spezialsprechstunde liegt in dermatologischer Hand. Bei entsprechender Fragestellung wäre auch eine Vorstellung z.B. am Universitätsklinikum Erlangen, Hector Center möglich.

Blähungen meist nur nachts ab 1Uhr, tagsüber kaum Beschwerden, Stuhlgang unauffällig: Ist das ein Reizdarmsysndrom?
Zur Klärung ist eine gastroenterologische Vorstellung empfehlenswert. Für ein Reizdarmsyndrom ist eine nächtliche Symptomatik untypisch. Ergänzend können ernährungsphysiologische Einflüsse in Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft geprüft werden (bzgl. Zeitpunkt und Zusammensetzung des Abendessens).

Können Sie einen Arzt in der Nähe von Jena empfehlen?
Diagnostisch können Sie sich an die Funktionsdiagnostik des Uniklinikum Jena wenden. Bei der Gastropraxis-Jena sind Atemtests und Endoskopie auch Teil des Leistungsspektrums. In Erfurt praktiziert Herr Prof. Schiefke, Erfragen Sie dort lokale Therapieempfehlungen. Überregional können wir Ihnen bei bereits diagnostiziertem Reizdarmsyndrom das stationäre zweiwöchige Programm in der Klinik für Integrative Medizin in Bamberg empfehlen (Kassenleistung). Es beinhaltet eine umfangreiche multimodale Therapie zu Ernährung, Bewegung, Mind-Body-Medizin, sowie evidenzbasierter naturheilkundlicher Ansätze (z.B. Phytotherapie). Die Klinik verfügt auch über die Möglichkeit der konfokalen Laserendomikroskopie zur Testung Nahrungsmittel-ausgelöster Darmbarrierestörungen, wie sie im Vortrag zur Sprache kamen.

Jeden Tag Bauchschmerzen und Verstopfung, esse deshalb weniger, habe mittlerweile grenzwertiges Untergewicht. Was kann ich mit Reizdarmsymptom essen, damit ich zunehme?
Wir empfehlen dringend eine gastroenterologische und ernährungstherapeutische Abklärung, um organische Ursachen auszuschließen und eine Mangelernährung zu verhindern. Die Ernährung sollte auf kalorien- und nährstoffreichen, FODMAP-armen Lebensmitteln basieren (z. B. laktosefreie Vollmilchprodukte, gesunde Öle, verträgliche Nüsse und Samen), die in kleinen, häufigen Portionen mit ausgiebigem Kauen über den Tag verteilt verzehrt werden, um den Darm nicht zu überlasten. (Tipps zu Rezeptideen zur FODMAP-Diät). (Adressen für Ernährungsberatung siehe unten)

Welche Klinik ist empfehlenswert für Divertikel, Reizdarm und Untergewicht (bin Rentner, Reha kommt daher nicht in Frage, wohne im Bereich 56...
Für die komplexe Abklärung der Divertikelerkrankung und des Untergewichts ist zunächst eine stationäre, interdisziplinäre Diagnostik an einem großen Zentrum wie der Universitätsmedizin Mainz (Nähe 55...) empfehlenswert. Zusätzlich finden Sie Expert*innen mit einem deklarierten RDS-Schwerpunkt in unserem MAGDA-Expertenregister, die möglicherweise näher an Ihrem Wohnort liegen. Bei nahrungsassoziierten Beschwerden empfehlen wir eine lokale Anbindung an einen Ernährungstherapeut:in mit Expertise in FODMAP-Diät. Überregional bietet das stationäre Programm der Klinik für Integrative Medizin in Bamberg eine spezialisierte, multimodale Therapie für das Reizdarmsyndrom, welche auch bei Rentnern als Krankenhausleistung (keine Reha) in Frage kommt. Digital bietet auch die DiGA Cara Care bei Reizdarmsyndrom (Digitale Gesundheitsanwendung, auf Rezept) eine multimodale evidenzbasierte Therapieoption bei Reizdarmsyndrom an.

Wie komme ich als Vegetarierin an genug Nährstoffe etc., wenn ich durch einen Reizdarm Blähbauch auf Hülsenfrüchte verzichten muss (und auch auf Kohl etc.)?
Um die Nährstoffversorgung (insbesondere Protein, Eisen, Zink) sicherzustellen, ist eine individuelle Ernährungsberatung essenziell, da dort FODMAP-arme Ersatzprodukte wie Tofu, Tempeh, Eier und verträgliche Nüsse gezielt in den Speiseplan integriert werden. Leckere FODMAP-arme Rezepte finden Sie auch in Büchern oder bei den Ernährungsdocs.

Für die Umsetzung der Low-FODMAP-Diät ist die Nutzung der Monash University App (der wissenschaftliche Standard) unerlässlich, da sie genaue Portionsgrößen angibt; Inspiration und praktische, FODMAP-arme Ideen finden Sie zudem auf seriösen Portalen wie dem NDR (z. B. auf der genannten Seite). Ergänzend können Therapien wie die DiGA Cara Care bei Reizdarmsyndrom (Digitale Gesundheitsanwendung, auf Rezept) oder andere Mind-Body-Verfahren hilfreich sein, um die Schmerzwahrnehmung zu verbessern und den Teufelskreis aus Angst und Nahrungsvermeidung zu durchbrechen. Lassen Sie sich bei der gezielten Steigerung der Kalorienzufuhr und der schrittweisen Wiedereinführung gesunder, nährstoffreicher Lebensmittel (wie eingeweichte und abgespülte Hülsenfrüchte) unbedingt von einer Fachkraft anleiten, um die individuelle Toleranzschwelle auszutesten. (Adressen für Ernährungsberatung siehe unten)

In der dritten Generation RDS, männliche wie weibliche Personen betroffen. Symptom: Extreme Verstopfung. Durch Ernährung konnte bislang keinerlei Einfluss genommen werden (bei allen 3 Generationen). Kann es sein, dass RDS genetisch bedingt ist und insbesondere durch Änderung der Ernährung keine Veränderung herbeigeführt werden kann?
Es wird eine gastroenterologische Vorstellung zur Abklärung und Behandlung der Obstipation empfohlen. Die Spezialdiagnostik bleibt Zentren vorbehalten und ann die Genese der Obstipation (genetisch?) abklären und z.B. einen M. Hirschsprung oder eine slow transit Obstipation ausschließen. Die Behandlung erfolgt nach Leitlinie in einem Stufenmodell.

Fodmap auch bei Untergewicht?
Ja, die Low-FODMAP-Diät ist auch bei Untergewicht sinnvoll, da die gezielte Reduktion der FODMAPs die Symptome signifikant verbessern kann. Eine kalorienreiche, FODMAP-arme Nahrungsaufnahme ist möglich und sollte durch die Begleitung einer spezialisierten Ernährungsfachkraft sichergestellt werden. Nach der 6- bis 8-wöchigen Eliminationsphase sollte das Ernährungsspektrum in der gestaffelten Nahrungsgruppen-Wiedereinführung soweit als möglich erweitert werden, um langfristig eine ausreichende Nährstoff- und Kalorienzufuhr zu gewährleisten.
(Adressen für Ernährungsberatung siehe unten)

Was mache ich, wenn ich nach einer Fodmap Diät nicht wirklich Lebenmittel hinzunehmen kann, weil es sonst direkt wieder zu Symptomen kommt?
Wenn Sie nach der Eliminationsphase kaum Lebensmittel hinzunehmen können, ist der nächste Schritt die Anpassung der Diät sowie eine erneute Diagnostik, um die Ursachen der anhaltenden Überempfindlichkeit zu klären. Suchen Sie eine spezialisierte Ernährungsfachkraft auf, um die individuelle Toleranzschwelle für FODMAPs neu zu testen, und klären Sie mit einem Gastroenterologen ab, ob eine Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO) oder eine andere Nahrungsmittelunverträglichkeit die Beschwerden verursacht. Auch empfiehlt sich zur Stabilisierung von Mikrobiom und Darmbarriere eine sehr behutsame Steigerung der Zufuhr löslicher Ballaststoffe (Start 3–4 g bis Ziel 30 g/Tag) und Probiotikatherapie. Parallel sollte, falls nicht geschehen, an weitere in der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom empfohlene multimodale Therapieansätze gedacht werde: Zur Angst- und Stressbewältigung (Mind-Body-Medizin, Kognitive Verhaltenstherapie oder Darmbezogene Hypnose), Bewegung, und Phytotherapie, um die Symptomtoleranz ganzheitlich zu verbessern.
(Adressen für Ernährungsberatung siehe unten)

Bitte Empfehlung für Probiotika
Die S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom empfiehlt keine pauschale Einnahme, sondern die Auswahl spezifischer Bakterienstämme passend zum individuellen Leitsymptom. Jedes Bakterium produziert andere Stoffwechselprodukte, die unterschiedliche Wirkungen auf Symptome haben. Die Anwendung sollte stets probatorisch über einen Zeitraum von 4 bis 12 Wochen erfolgen, um die individuelle Wirksamkeit zu überprüfen. Tritt innerhalb dieses Zeitfensters keine spürbare Besserung ein, sollte das Präparat abgesetzt und gegebenenfalls ein Wechsel auf einen anderen evidenzbasierten Stamm erfolgen. Wenden Sie sich an ihren Apotheker, um ein Produkt mit den relevanten Stämmen herauszusuchen.

Beschwerdetyp Empfohlener Stamm (Exemplarisch) Hinweise zur Wirkung (Studienbasis)
Schmerzen & Globales Befinden Bifidobacterium bifidum MIMBb75 Signifikante Besserung des globalen Symptom-Scores und der Lebensqualität.
  Lactobacillus plantarum 299v (DSM 9843) Mit gebesserten Schmerzen und Blähungen assoziiert.
Verstopfung (RDS-C) Bifidobacterium animalis DN173010 Reduzierte Transitzeit und geringfügige Abnahme globaler Symptome.
  Lactobacillus reuteri (DSM 17938) Steigerte die wöchentliche Stuhlfrequenz.
Durchfall (RDS-D) Bacillus coagulans MTCC 5856 Nachgewiesene positive Effekte auf Diarrhö, Blähungen und abdominelle Schmerzen.
  Saccharomyces cerevisiae boulardii (Hefe) Überlegenheit gegenüber Placebo bei abdominellen Schmerzen und Unwohlsein.
Begleitende Depression/Angst Bifidobacterium longum NCC3001 Senkte den Depressions-Score und verbesserte die Lebensqualität.

Wo finde ich eine qualifizierte Ernährungsberatung?
BerufsVerband Oecotrophologie e. V. (VDOE) →  www.vdoe.de
Verband der Diätassistenten (VDD e. V.) →  www.vdd.de
Verband für Ernährung und Diätetik e.V. (VFED) →  www.vfed.de
Deutsche Gesellschaft der qualifizierten Ernährungstherapeuten und Ernährungsberater e.V. →  www.quetheb.de
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. →  www.dge.de
E-Zert - Plattform qualifizierte Ernährungstherapie & Ernährungsberatung e.V. → www.e-zert.de


Trotz Ernährung Getreide-, Milchfrei etc. kommt es immer wieder zu Zeiten mit Durchfall und sehr wenig vertragen. Was kann man tun?
Hier ist eine gastroenterologische Vorstellung und Ernährungstherapie zur Klärung der Ursache der Diarrhoen empfehlenswert. Es sollte spezifisch geprüft werden, ob eine Zöliakie, Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) oder ein Gallensäureverlustsyndrom vorliegt, da diese häufig die organische Ursache für therapieresistente Durchfälle sind. Zudem sollte die Diät auf versteckte FODMAP-Quellen analysiert werden, da "getreide- und milchfrei" nicht automatisch bedeutet, dass keine beschwerdeauslösenden fermentierbaren Zucker mehr aufgenommen werden.

Bitte nennen Sie nochmal die App für Fodmap.
Für die korrekte und sichere Umsetzung der Low-FODMAP-Diät ist die offizielle Monash University FODMAP App das unverzichtbare Standardwerkzeug. Sie bietet tagesaktuelle, laborgeprüfte Listen von Lebensmitteln und Portionsgrößen, die für den individuellen Aufbau des Speiseplans essenziell sind.

Thema Sibo bei Reizdarm als Ursache?
Mögliches Vorgehen: einen Glukose-Atemtest durchführen und falls bestätigt, spezifische Therapie, z.B. mit dem darmselektiven Antibiotikum Rifaximin (keine zugelassene Therapie).

Dauerhaft restriktive Ernährung seit 2 Jahren nach diagnostizierter HIS, zusätzlich zur RDS. Inzwischen nach 2-jähriger Beruhigung verstärkte Probleme (Schmerzen, Blähungen, fast tägl. Stuhlverlust). Danke für die Liste Ernährungsberater, die auf dem aktuellen Stand sind.
Ihre geschilderte Situation deutet auf eine Eskalation der Darmsensitivität hin, bei der die Dauerrestriktion der Nahrungsmittel möglicherweise die Darmbarriere geschwächt und die Toleranzschwelle weiter gesenkt hat. Angesichts der zunehmenden Schmerzen und des Stuhlverlusts ist neben der Konsultation eines gastroenterologischen Experten zur weiteren diagnostischen Abklärung, ein dringender Neubeginn der Ernährungstherapie notwendig. Eine spezialisierte Ernährungsberatung kann die notwendige schrittweise Erweiterung der tolerierten Lebensmittel einleiten, um die Nährstoffversorgung zu sichern und das Mikrobiom zu stabilisieren. (Adressen für Ernährungsberatung siehe oben)