Fragen und Antworten aus der Online-Veranstaltung „Refluxerkrankung und Reizmagen"

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Im Rahmen unserer Informationsveranstaltung „Volkskrankheiten Refluxerkrankung und Reizmagen – Aktuelles zur Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten“ am 10. Februar 2026 wurden zahlreiche Fragen gestellt.
Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Themen und Antworten übersichtlich zusammengefasst.

Refluxtherapie: Kombination aus PPI und H2-Blocker
→ Ist die Kombination aus Pantoprazol/Esomeprazol (PPI) und einem H2-Blocker sinnvoll?
In bestimmten Fällen: ja – jedoch nicht generell. Einige Patient:innen haben trotz PPI-Therapie einen sogenannten nächtlichen Säuredurchbruch. In diesen ausgewählten Fällen kann ein H2-Blocker zur Nacht sinnvoll sein.
Tagsüber bringt die Kombination in der Regel keinen zusätzlichen Nutzen, da Protonenpumpenhemmer bereits sehr starke Säureblocker sind.
Eine weitere Ausnahme kann bei einer nachgewiesenen Histaminproblematik bestehen.

Histaminintoleranz und H2-Blocker
→ Ist eine Dauertherapie mit H2-Blockern bei Histaminintoleranz sinnvoll?
Nein. H2-Blocker verlieren bei kontinuierlicher Einnahme nach etwa 14 Tagen ihre Wirkung (Toleranzentwicklung).
Zur Diagnosesicherung einer Histaminintoleranz wird empfohlen:
• 2–4 Wochen histaminarme Ernährung
• anschließend gezielte Wiedereinführung histaminreicher Kost
• erneutes Auftreten der Symptome spricht für eine Histaminbeteiligung
Die Diagnose wird häufig vermutet, ist jedoch seltener tatsächlich gesichert.

Reflux und Operation
→ Reicht ein „schwacher Schließmuskel“ der Speiseröhre für eine Operation aus?
Nein. Ein leicht geschwächter Schließmuskel oder ein Zwerchfellbruch allein ist kein ausreichender Grund für eine Operation. Viele Menschen – insbesondere über 50 Jahre – haben eine Hiatushernie, ohne Beschwerden zu entwickeln.
→ Wann kann eine Operation sinnvoll sein?
Eine operative Therapie (z. B. Fundoplikatio) kommt nur infrage, wenn:
• die Beschwerden eindeutig refluxbedingt sind
• Medikamente nicht ausreichend helfen
• Medikamente nicht vertragen werden
• oder eine dauerhafte Medikamenteneinnahme nicht gewünscht ist

Wichtig: Refluxoperationen sind technisch anspruchsvoll und nicht frei von Risiken. Die Entscheidung sollte sorgfältig und nach umfassender Diagnostik getroffen werden.

Welche Diagnostik ist vor einer Operation notwendig?
Vor einer Fundoplikatio sollten folgende Untersuchungen erfolgen:
• Endoskopie
• pH-Impedanzmessung mit Symptomkorrelation
• Hochauflösende Manometrie
Diese Untersuchungen sind entscheidend, um andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Beschwerden verursachen können, zum Beispiel Motilitätsstörungen der Speiseröhre oder eine eosinophile Ösophagitis.
Wichtig: Eine Operation ohne vollständige Abklärung kann zu anhaltenden Beschwerden oder Schluckstörungen führen.

Was tun, wenn eine Operation nicht den gewünschten Effekt hat?
Zunächst sollte geprüft werden:
• Sind die Beschwerden tatsächlich refluxbedingt?
• Liegt eine Schleimhautüberempfindlichkeit vor?
• Wurde vor der Operation eine vollständige Diagnostik durchgeführt?
Betroffene sollten sich in einem spezialisierten Zentrum vorstellen.

Ernährung bei Reflux und Reizmagen
→ Muss man auf Rohkost verzichten?
Nicht grundsätzlich. Problematisch sind vor allem große, schlecht zerkleinerte Nahrungsbestandteile (z. B. große Salatblätter), da der Magen nur Partikel unter 2 mm weitertransportiert. Gründliches Kauen ist daher besonders wichtig.
Wenn verschiedene Erkrankungen (z. B. Reflux und Prädiabetes) unterschiedliche Diätempfehlungen erfordern, sollte eine qualifizierte Ernährungsberatung erfolgen. Eine individualisierte Beratung ist hier entscheidend.

Probiotika bei Reizmagen
→ Gibt es ein empfohlenes Präparat?
Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Bakterienstämme Bacillus coagulans MY01 und Bacillus subtilis MY02 genannt. Die Wirkung ist individuell unterschiedlich. Eine zeitlich begrenzte Erprobung kann sinnvoll sein.

Pflanzliche Kombinationspräparate bei Reflux
Es gibt Präparate, die pflanzliche Bestandteile (z. B. Feigenkaktus-Extrakt) mit einem Antazidum kombinieren. Solche Kombinationen verfolgen einen sogenannten Multitarget-Ansatz, indem sie sowohl die Säure neutralisieren als auch die Schleimhaut schützen können.
In Anwendungsbeobachtungen berichten Patient:innen teilweise über positive Effekte. Eine zeitlich begrenzte Anwendung kann helfen, die individuelle Verträglichkeit und Wirksamkeit zu beurteilen.

Kann ich durch eine Studienteilnahme von neuen Therapien profitieren?
Derzeit laufen klinische Studien zur Evaluation einer App, die speziell für Patient:innen mit gastroösophagealer Refluxerkrankung (GERD) oder funktioneller Dyspepsie (Reizmagen) entwickelt wurde.
Ziel der Studie ist es zu untersuchen, inwieweit eine digitale Anwendung Betroffene im Umgang mit ihren Beschwerden unterstützen kann. Nach erfolgreicher Prüfung ist eine Zulassung als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) vorgesehen.
Interessierte Patient:innen können prüfen lassen, ob eine Studienteilnahme infrage kommt. Weitere Informationen finden Sie → hier auf unserer Website.


Vielen Dank für Ihr Interesse
Wir bedanken uns herzlich für die aktive Teilnahme und die zahlreichen Fragen während unserer Veranstaltung.
Informationen zu weiteren Veranstaltungen und Angeboten finden Sie regelmäßig auf unserer Website.